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remus Web-Dok. 6/2001

"Das Internet als Chance und Bedrohung - ein Orientierungsversuch"

Vorträge

Das Konzept der EU-Kommission zum Internet-Gebrauch (Best Use)

- Ola-Kristian Hoff, Mitarbeiter der DG XIII der EU-Kommission -

Herr Hoff begann seinen Vortrag mit einem Überblick über die Entwicklung des Internet und die einzelnen Dienste. Unter dem Titel "Back in the Wild West" und anhand von Zitaten aus einem Artikel von John Perry Barlow wies er auf die Chancen und Gefahren des Mediums hin ("a perfect breeding ground for both outlaws and new ideas about liberty"). Im Anschluß daran erinnerte er an die zahlreichen staatlichen Maßnahmen gegen bestimmte Inhalte im Internet, die in den Achtziger Jahren begannen und mit dem Communication Decency Act in den USA einen vorläufigen Höhepunkt fanden. Hoff wies darauf hin, daß ein hundertprozentiger Schutz der Nutzer und insbesondere der Kinder und Jugendlichen nicht möglich sei. Es gebe nicht eine Lösung für alle Probleme, sondern verschiedene Wege, die den Schutz lediglich verbessern könnten. Im übrigen solle man bei den Gefahren des Internet die Vorteile des Mediums nicht aus den Augen verlieren, d.h. von staatlicher Seite nicht überreagieren.

Der Referent begann im Anschluß daran mit einer Klassifizierung der Inhalte des Internet. Dabei legte er Wert darauf, die beiden Begriffe "harmful material" und "illegal material" zu unterscheiden. Die genaue Abgrenzung sei allerdings sehr schwierig. Um diesen Inhalten des Internet zu begegnen, sei die EU bereits in erheblichem Maße aktiv geworden. Im folgenden stellte er den "Action Plan on promoting safer use of the internet" vor. (Action Line 1: European network of hot-lines to report illegal content (using existing Law); Action Line 2: Filtering and rating; Action Line 3: Awareness; Action Line 4: Support actions).

Zum Abschluß hob der Referent hervor, daß es nicht ausreiche, Inhalte aus dem Internet zu entfernen, da damit nicht die Ursachen beseitigt würden. Außerdem dürfe die Kontrolle der Inhalte nicht zu einer Zensur führen, weder von Seiten des Staates noch durch die Internet Service Provider. Weitere Informationen seien unter der folgenden URL abrufbar: http://www.echo.lu/iap/

Diskussion zum Referat:

Eine erste Anmerkung in der anschließenden Diskussion betraf die starke Ausrichtung der Pläne der EU auf die Industrie. Das werfe die Frage auf, wie man die privaten Anbieter kontrollieren könne. Herr Hoff antwortete darauf, hier könnten insbesondere die Intenet Service Provider Einfluß nehmen; letztlich müsse man aber davon ausgehen, daß man nicht alle privaten Anbieter erreichen könne; es gebe insofern keine perfekte Lösung.

Eine weitere Frage betraf die in dem Action Plan genannten Hot-Lines, deren Organisation und Aktivitäten sehr unterschiedlich seien.

Von den Teilnehmern wurden schließlich Chancen und Gefahren der verschiedenen Rating-Systeme diskutiert. Dabei merkte Herr Hoff an, daß die EU im Interesse der Verbraucher ein breites Angebot an derartiger Software begrüße; man müsse aber letztlich abwarten, welche Systeme sich zu Standards entwickeln werden.

 

Foto: Copyright 1998 Christoph Volz


Letzte Aktualisierung

18.04.2001

URL

http://remus.jura.uni-sb.de/web-dok/20010006.html